DIE NACHHALTIGKEITS-ERKUNDUNGSREISE VON Jona IN Brest

Jona verbrachte sein Praktikum als Bäckerlehrling in Frankreich. Er berichtet über seine Beobachtungen zum Thema "Nachhaltigkeit". 


Sind gewisse Elemente der Nachhaltigkeit in deinem Praktikumsbetrieb zu erkennen? Wenn ja, welche?

Jona: Le Four de Babel ist eine kleine Bäckerei im Stadtviertel Kerinou in Brest, Frankreich. Die Inhaberin Marjolaine Berger hat nur einen weiteren Angestellten. Die Produkte mit dem Bio-Zertifikat Agriculture Biologique ausgezeichnet.

 

Das Mehl wird von einer kleinen Müllerei in der Nähe von Quimper in der Südbretagne geliefert, die ihr selbst angebautes Getreide und das regionaler Landwirte vermahlt.

 

Außerdem passt Marjolaine ihr Sortiment an die Jahreszeiten an – während des Praktikums war ein Kürbisbrot im Angebot, dessen Angebotszeitraum sich allerdings dem Ende neigte, weil die Kürbisse ausgingen.

 

Marjonlaine versucht bis auf das Gramm genau abzuwiegen, um keine Rohstoffe zu verschwenden. So wird vermieden, dass am Ende Teig übrig bleibt und stellt sicher, dass alle Brote theoretisch den gleichen Backverlust und somit auch das exakt gleiche Ausbackgewicht haben sollten. Diese Praxis habe ich bis- her so noch nicht kennengelernt, da das genaue Abwiegen mit einem größeren Zeitaufwand einhergeht.

 

Wenn doch einmal Brot übrig bleibt, spendet Marjolaine die Reste an eine soziale Einrichtung.

 

Zu Marjolaines Lieferkunden gehört ein kooperativ betriebener Supermarkt, der regionale Lebensmittel und das Wohl der Mitglieder und Produzent*innen statt Profit im Auge hat.

Außerdem ist es möglich, bei Marjolaine mit einer lokalen Währung ein- zukaufen: Heol. Heol fördert durch seine regionale Beschränkung den Handel innerhalb der Bretagne, vernetzt lokale Händler*innen und finanziert ethische und nachhaltige Projekte über eine Ethik-Bank. 


Gibt es sonstige Themen, Erkundungen, Erfahrungen aus deiner Rei- se, die du in Bezug auf die Nachhaltigkeit gern teilen möchtest? 

Es mag eine nicht repräsentativer Eindruck sein, da ich verhältnismäßig viele Biomärkte und -läden besucht habe, aber ich habe sehr viele Menschen beobachtet, die auf dem Markt und in den Läden ihre eigenen Behälter bzw. Tüten mitbringen, um den Verbrauch an Verpackungen zu reduzieren. Dieser Trend ist hier, anders als in Deutschland, nicht durch die Corona-Hygiene-Auflagen gestoppt worden. Auch gibt es in vielen (Bio-)Supermärkten die Möglichkeit, Trockenware (Nudeln, Nüsse, etc) nach Gewicht abzufüllen, ein Konzept was in Deutschland mit den Unverpacktläden erst langsam wieder etabliert wird. 

Inwieweit spielt für deinen Ausbilder/für deine Ausbilderin im französischen Praktikumsbetrieb das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle?

Jona: Agriculture Biologique: Für Marjolaine geht das Bio-Zertifikat nicht weit genug – ihrer Meinung nach ist es viel zu einfach eine Zertifizierung zu bekommen und die Kontrollen sollten ohne Ankündigung stattfinden, um sicherzustellen, dass wirklich nur Bioprodukte in der Produktion verwendet werden.

 

Marjolaine legt Wert darauf, regionales Getreide zu verwenden. Die Müllerei von der sie beliefert wird, baut auch eine ursprüngliche Getreidesorte (Einkorn) an, die zwar weniger Eträge bringt, aber resistenter gegen Schädlinge und somit gut geeignet für den biologischen Anbau ist.

 

Aus wirtschaftlichen wie ideologischen Gründen versucht Marjolaine Rohstoffe und Energie zu sparen. Der Stromverbrauch für ihren Ofen ist zwar sehr groß, dafür benötigt sie keine Garraum – statt dessen werden die Teige und Brote zwischen dem kühleren Arbeitsraum und dem Ofen- und Teigmacherraum bewegt um die Abwärme vom Ofen für die Gärung zu nutzen. 


Mein Gastgeber Claude hat mit einigen Freund*innen eine Recyclerie gegründet. Die Recyclerie verkauft zu äußerst günstigen Preisen Gegenstände, die sonst auf dem Wertstoffhof gelandet wären. Auf verschiedenen Wertstoffhöfen haben Claude und seine Freund*innen Container aufgestellt um noch gebrauchbare Gegenstände zu sammeln. Dort können Menschen, diejenigen Dinge loswerden, die ihrer Meinung nach noch nutzbar sind, die sie aber loswerden wollen und sonst auf dem Wertstoffhof gelassen hätten. Das Konzept der Recyclerie ist in Frankreich mittlerweile sehr verbreitet und ich frage mich, warum es es in dieser Form nicht in Deutschland gibt. Die Recyclerie in Brest ist seit ihrer Gründung enorm gewachsen, mittlerweile bringen viele Menschen Gegenstände direkt zur Recyclerie statt zum Werkstoffhof. Claude ist allerdings aus dem Projekt ausgestiegen, weil er findet, dass die Festangestellten in der Recyclerie zu schlecht bezahlt werden.

Ich habe in Brest überraschend viele Gemeinschaftsgärten, Hochbeete und öffentliche Grünanlagen entdeckt, die von verschiedenen Gruppen Ehrenamtlicher gepflegt werden.