MINT is MODE

Die Modebranche bietet enormes Potenzial – sie vereint nicht nur Innovation und Kreativität, sondern eröffnet auch spannende Möglichkeiten, MINT-Kompetenzen praktisch und anschaulich zu fördern. Wer versteht, wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hier wirken, kann dazu beitragen, Mode nicht nur zukunftsfähig, sondern auchn ressourcenschonend, intelligent und fair zu gestalten.

 

Was haben also Modeberufe mit MINT zu tun? Sehr viel – auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht auffällt.

 

In der Modeindustrie treffen Kreativität und Hightech aufeinander: Vom ersten Designentwurf bis zum Recycling eines Kleidungsstücks spielen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eine tragende Rolle.

Modedesignerinnen und Modedesigner nutzen zum Beispiel CAD Programme und 3D Simulationen, um Stoffe realitätsnah an einem digitalen Avatar darzustellen, inklusive Bewegung, Faltenwurf und Passform.

 

Algorithmen sorgen dafür, dass Schnittmuster effizient angeordnet werden, um Stoff zu sparen.

In der Materialentwicklung analysieren Fachleute Fasern mit Mikroskopen und entwickeln neue Garne aus Hanf, Bananen oder durch chemische Reaktionen aus recyceltem Polyester.

 

In der Produktion übernehmen Sensoren, Robotik und KI-gesteuerte Maschinen Aufgaben wie Spinnen, Weben, Färben oder Nähen mit hoher Präzision.

 

Auch in der Qualitätskontrolle oder im E-Commerce steckt MINT-Wissen: Datenanalysen zeigen, welche Produkte oft retourniert werden und warum (etwa wegen schlechter Passform oder Farbabweichungen). Diese Erkenntnisse fließen in das nächste Design ein.

 

Auch beim Recycling kommt Technologie zum Einsatz, zum Beispiel zur Fasererkennung mithilfe von Spektroskopie oder zur automatisierten Sortierung durch künstliche Intelligenz.

 

Mode ist heute ein datengetriebenes, interdisziplinäres Feld, in dem MINT-Kompetenzen über Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation entscheiden. Da die beruflichen Aufgaben immer vielschichtiger werden, dürften sich auch die Berufsbezeichnungen in den nächsten Jahren verändern. Umso spannender ist es, über diese Begriffe hinauszuschauen und die vielseitige MINT-Welt der Mode zu entdecken.

 

Im Rahmen unserer europäischen Zusammenarbeit entwickeln wir MINT-Experimente zur Förderung der mathematischen, ingenieurwissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen und technischen Kompetenzen. Die Experimente stehen ab September 2025 hier kostenfrei zum Herunterladen bereit.

 

Das Projekt wird durch das Erasmus+ Programm kofinanziert.



Potentiale der Digitalisierung im Schneiderhandwerk

Im Rahmen des europäischen Projekts "Green Fashion Start-Up" haben wir uns mit Partnern aus der Türkei, Frankreich und Italien über die Chancen der Digitalisierung im Schneiderhandwerk auseinandergesetzt, da erfolgreiche Gründungen im Schneiderhandwerk mit der Zeit und den Entwicklungen Schritt halten müssen.

 

Die Übersicht fasst kurz und knapp zusammen, welche Potenziale das Schneiderhandwerk für die Digitalisierung bietet und welche Anforderungen diese an zukünftige Gründer:innen stellen können.



Digital storytelling für mehr Visuelle Präsenz

Das Schneiderhandwerk blickt auf eine lange Tradition zurück und ist für seine präzise Handwerkskunst und individuelle Fertigung bekannt. Seit Jahrhunderten gestalten Schneider mit viel Geschick und Erfahrung maßgeschneiderte Kleidung, die perfekt auf die Bedürfnisse ihrer Kunden abgestimmt ist. Doch in einer Welt, die sich zunehmend verändert, muss auch dieses Handwerk mit der Zeit gehen, um seine Relevanz und Beständigkeit zu sichern. Die heutige Zeit bietet zahlreiche Chancen, diese Tradition mit modernen Entwicklungen zu verbinden.

 

Eine Möglichkeit besteht darin, dass Maßschneider ihre Angebote erweitern, indem sie eigene Kleinst-Kollektionen entwickeln – sogenannte Maßkonfektion. Diese Kollektionen bieten Inspiration und ermöglichen es den Kunden, sich kreativ mit Mode auseinanderzusetzen, während sie gleichzeitig die maßgeschneiderte Qualität und Passform genießen. Dies eröffnet den Maßschneidern die Möglichkeit, auch jüngere Zielgruppen anzusprechen und Trends in die eigene Produktpalette zu integrieren.

 

In der Vergangenheit waren Maßschneider oft eher in den Hintergrund gerückt, arbeiteten meist alleine und hatten eine eher unauffällige Präsenz. Ihre Kunstfertigkeit sprach für sich, und der Erfolg beruhte oft auf Mund-zu-Mund-Propaganda und einer treuen Stammkundschaft. Doch in der heutigen Zeit, in der Sichtbarkeit und Präsenz im Wettbewerb eine immer größere Rolle spielen, müssen auch Maßschneider ihre Strategien anpassen.

 

Die moderne Welt verlangt nach Netzwerken und einer verstärkten visuellen Darstellung des Handwerks. Heute reicht es nicht mehr aus, nur hervorragende Arbeit zu leisten; Maßschneider müssen ihre Kreativität und ihr Handwerk professionell und aktiv präsentieren, um wahrgenommen zu werden. 

Eine gut bewährte Maßnahme ist das Digital Storytelling. Digital Storytelling bezieht sich auf die Art und Weise, wie Maßschneider ihre Geschichte, ihre Marke und ihre Handwerkskunst durch digitale Medien erzählen, um eine tiefere Verbindung zu ihren Kunden aufzubauen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Es geht darum, die Tradition und das Handwerk des Maßschneiderns in einer modernen, ansprechenden Form zu präsentieren, die über die reine Produktdarstellung hinausgeht.



Wandel des massschneiderberufes

Der Beruf der Maßschneiderin/des Maßschneiders befindet sich im Wandel. Während traditionelle handwerkliche Fertigkeiten weiterhin das Fundament für den Beruf bilden, reichen sie allein nicht mehr aus, um ein eigenes Unternehmen erfolgreich zu gründen und dauerhaft am Markt zu bestehen. 

Besonders für Start-ups im Schneiderhandwerk ergeben sich heute neue Anforderungen, die weit über die Schnittkonstruktion, Verarbeitung und Anpassung hinausgehen.

 

Eine zeitgemäße Maßschneiderin/ein zeitgemäßer Maßschneider benötigt ein breites Kompetenzprofil, das neben den handwerklichen Fertigkeiten vier weitere zentrale Bereiche vereint: 

 

🚀innovatives unternehmerisches Denken und Handeln, 

🚀digitale Kompetenz und visuelle Kommunikationskompetenz sowie 

🚀nachhaltige Gestaltungskompetenz. 

 

Dabei orientieren sich diese Anforderungen an etablierten europäischen Kompetenzrahmen wie EntreComp (Entrepreneurship Competence Framework), DigiComp (Digital Competence Framework) und GreenComp (European Sustainability Competence Framework).

 

Gerade in der Gründungsphase ist die Fähigkeit entscheidend, kreative Ideen in wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen, mit digitalen Werkzeugen zu arbeiten, sich auch visuell attraktiv zu präsentieren und gleichzeitig Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. 

 

Das bedeutet: Die erfolgreiche Maßschneiderin/der erfolgreiche Maßschneider der Zukunft ist nicht nur Handwerkerin und Handwerker, sondern auch Unternehmerin und Akteurin für nachhaltige Entwicklung im Schneiderhandwerk und in der Modebranche.